Käse im Papier

In Hamburg hat heute vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 19-jährigen wegen Raubes mit Todesfolge begonnen, siehe Hamburger Abendblatt.

„Beim Auftakt eines Prozesses um einen brutalen Raub, bei dem das 74 Jahre alte Opfer ums Leben kam, hat der Angeklagte jegliche Schuld am Tod der Frau von sich gewiesen. Der 19-Jährige räumte am Mittwoch vor dem Landgericht Hamburg zwar ein, mit zwei Komplizen in die Wohnung der Rentnerin im Stadtteil Alsterdorf eingedrungen zu sein, um sie auszurauben. Jedoch stellte er sich nur als Mitläufer dar – und bestritt Vorwürfe, die Frau gemeinsam mit den anderen zusammengeschlagen, gefesselt und mit einem Schal geknebelt zu haben.“

(Quelle:www.abendblatt.de)

Die Frau soll schließlich an dem Knebel erstickt sein, zuvor soll sie laut Anklage von einem der drei vermeintlichen Täter geschlagen worden sein.

„Von der Attacke will der Angeklagte jedoch nichts bemerkt haben: Während seine beiden Komplizen die Frau malträtierten, habe er einen Schrank im Schlafzimmer nach Schmuck und Geld durchsucht – ohne zu hören, was nebenan passierte. „Ich war total überrascht“, sagte der 19-Jährige. Auf einen Überfall habe er sich eingestellt – nicht aber auf Gewalt.“
(Quelle: www.abendblatt.de)

Der Bericht im Abendblatt ist erfreulich sachlich, andere Zeitungen sind da etwas reißerischer unterwegs. Immer wieder erstaunlich, was Journalisten so alles wissen.

Käse Wie die Journalisten kenne ich die Akte nicht, aber der sogenannte Mittäterexzess kann eine durchaus sinnvolle Verteidigungsstrategie sein.

Oder – könnte ja sein – es könnte sogar so gewesen sein, wie der Angeklagte sagt. Aber reißerisch verkaufsfördernder als sachlich und den Angeklagten kann man gern als „Oma-Killer“ bezeichnen, nicht wahr?
Auf die lange Nase bekommen diverse Schreiberlinge vom Kollegen Siebers hier. Hinter die Ohren schreiben wird es sich kaum einer. Käse gehört auf den Tisch!

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5 Antworten auf Käse im Papier

  1. Surfer sagt:

    Zeit, -endlich- die Walldorfschulen zu verbieten! Sie bereiten eben -nicht- auf’s Leben vor!
    Wie sonst kam der Delinquent auf die Idee, ein Überfall liefe gewaltfrei ab (vs. Einbruch, z.B.)?
    Der Delinquent ist jedenfalls ein Opfer der Bildungsindustrie und damit Deutschlands. Und somit mit mindestens 1000 EUR/Monat zu alimentieren, quasi als Schadensersatz.

  2. Tourix sagt:

    Dagegen der Bild-Artikel:
    http://www.bild.de/regional/hamburg/raubueberfall/killer-zogen-sterbender-frau-den-ring-vom-finger-38447202.bild.html

    Reißerisch und passend zum Stammtischgespräch ab 3 Promille aufwärts.
    und wahrscheinlich sind einige Details der Blö*-Zeitung reine Fantasie.

    PS Auf dem Bild fehlt der Handkäs.
    Das Foto kann kein Gourmet gemacht haben.

  3. Heiner sagt:

    Wie die Journalisten kenne ich die Akte nicht, aber der sogenannte Mittäterexzess kann eine durchaus sinnvolle Verteidigungsstrategie sein.

    Oder – könnte ja sein – es könnte sogar so gewesen sein, wie der Angeklagte sagt.

    Entweder es war so, wie der Angeklagte sagt oder der Verteidiger begibt sich in gefährliches Fahrwasser. Der Spagat zwischen „in dubio pro reo“ bezüglich eines möglichen Mittäterexzesses und (versuchter) Strafvereitelung kann schnell zum Zerreißen der (Strumpf)-Hosennaht führen. Ein solcher Spagat hat einem Verteider ein Jahr Haft ohne Bewährung beschert ():

    Die Vereitelungshandlung des Angeklagten [Anm.: des ursprünglichen Verteidigers] besteht darin, den G… [Anm.: den ursprünglichen Mandanten] zu falschen Angaben über den Sachverhalt bestimmt zu haben und auf G… eingewirkt zu haben, unrichtige Angaben zu seinem eigenen Tatbeitrag und zu den Taten und Tatbeiträgen des H… und der L… zu machen (Bl. 65 UA). …

    Der Verteidiger sollte es daher tunlichst unterlassen, dem Angeklagten zu soufflieren „Sag dies oder jenes, hauptsache man weiß am Ende nicht, ob es stimmt oder nicht und dann wirst du im Zweifel freigesprochen!„.

    Daher ist der Mittäterexzess nur dann eine gute Verteidigungsstrategie, wenn es alleine der Angeklagte war, der die einen solchen Exzess begründenden Tatsachen in die Welt gesetzt hat.

  4. Heiner sagt:

    Hoppla, da ist eben wohl etwas mit dem Verlinken schief gegangen. Das Zitat des OLG Nürnberg endet natürlich nach dem (Bl. 65 UA). …

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