Mandantentypen: Der Zauderer

Manch potentieller Mandant geht einem total auf den Senkel. Mein persönliches Feindbild ist der Zauderer. Der ruft an und spricht erst einmal mit der Sekretärin und erzählt ihr den gesamten Fall. Er sei Beschuldigter in einem Strafverfahren. Der Sachverhalt sei nicht einfach, den möge sie sich einmal anhören. In allen Details. Sekretärin bietet einen Termin an, den der Zauderer nicht wahrnehmen möchte. Er bittet um einen Rückruf von mir.

Ich rufe zurück und erkläre, dass ich zunächst einmal Akteneinsicht nehmen müsse und dass eine Aussage von ihm vorher nicht sinnvoll sei. Der Zauderer fragt, ob es nicht sein könne, dass sich die Vorwürfe auch ohne anwaltliche Hilfe als haltlos erweisen. An der Stelle könnte ich eigentlich auflegen. Tue ich aber leider nicht, sondern antworte, dass dies sei könne, ich dies aber natürlich nicht wisse. Die Diskussion geht hin und der, der Anrufer vereinbart einen Termin.

Wurscht20 Minuten vor dem Termin ruft der Zauderer an. Er habe mit einem Freund, seinem Bäcker, dem Fitness-Trainer und dem Pfarrer gesprochen und wolle den Termin  bei mir erstmal absagen.

Bisher sei ja nichts wirklich Schlimmes passiert. Er sei ja nicht wirklich Beschuldigter. Nur so pro forma.

 

 

Was denn im schlimmsten Fall passieren könne, das interessiere ihn doch noch. Und natürlich, was im besten Fall passieren könne. Und im mittelschlimmen Fall.

Entnervt lege ich schließlich irgendwann nach Verabschiedung auf. Es wäre wohl kein erquickliches Mandatsverhältnis geworden. Ist mir Wurscht, ob sich der Mensch sich nun um Kopf und Kragen redet.

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4 Antworten auf Mandantentypen: Der Zauderer

  1. Stefan sagt:

    Und was hat die Wurst damit zu tun? 🙂

  2. RA Kujus sagt:

    „Er sei ja nicht wirklich Beschuldigter. Nur so pro forma“ … sehr schön 😉

  3. Thorsten sagt:

    Ich höre inzwischen ganz gut heraus: will ich diesen Mandanten oder lieber nicht? Wenn nicht, kriegt er eine Minute einen Rat und das war’s (na gut, für die Gesprächsnotiz brauche ich dann leider noch einmal 1-2 Minuten, könnte ja etwas zurückkommen…).

    Will ich ihn, passiert häufig folgendes: „Gehen Sie nicht zur Polizei, vereinbaren Sie einen Termin bei mir, dann besprechen wir alles.“ – „Ja aber was mache ich denn dann mit der Polizei?“ – „Besprechen wir alles im Termin.“ – „Aber der Polizeitermin ist schon in 5 Tagen!“ – „Dann machen wir einen Termin für morgen. Bringen Sie bitte 500,- Euro Vorschuss mit. Wir besprechen dann alles im Termin.“ – „Aber ich habe doch nichts gemacht!“ – „Besprechen wir alles im Termin.“ – „Sollte ich lieber erst mit der Polizei reden?“ – „Nein. Besprechen wir dann alles im Termin.“ – „Aber ich will dann den Anzeigerstatter wegen Verleumdung anzeigen.“ – „Besprechen wir alles im Termin.“

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