Vorstellungsrunde

Ein gar nicht so kleines Amtsgericht im Norden Deutschlands. Verhandlung in einer Schöffensache, Vorwurf Raub. Der Vorsitzende spricht meinen Mandanten und mich an und sagt:

„Ich möchte Ihnen erst einmal alle Personen hier vorstellen, damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben.“

Der Vorsitzende stellt die Schöffen, den Staatsanwalt und sogar den Protokollführer namentlich vor. Sich selbst natürlich auch.

Klar, die Namen des Vorsitzenden und der Schöffen stehen auf der Terminsrolle. Je nach Gericht steht dort auch der Name des Sitzungsvertreters der Staatsanwaltschaft, aber eben nicht immer.

Eine schöne Vorgehensweise, die Vorstellungsrunde. Zwar wird es dem Angeklagten meist egal sein, wie nun der Protokollführer heißt, aber egal. Ich finde, es ist ein wesentlich besserer Einstieg in den Verhandlungstag, als ihn manche Richter hinlegen. Manch Vorsitzender will schon loslegen, bevor Strafverteidiger und Angeklagter mit dem Hintern richtig auf dem Stuhl sitzen.

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Eine Antwort auf Vorstellungsrunde

  1. Richter stellen die Prozessbeteiligten einem vorübergehend Beteiligten vor. Dieses Vorgehen trainierte ich seit dem Jahr 1995 in den beiden Deutschen Richterakademien in Trier und Westrau – mit Richtern aller Gerichtsbarkeiten. Sie berichten, dass sie seitdem viel weniger Führungsschwierigkeiten haben – und ihre nicht gelernte Führungsrolle leichter beibehalten können.
    Gilt übrigens auch für die Zeugen-Belehrung, vergleichbar einer „Vorstellung der Prozessregeln“.
    Letztere kommt gewöhnlich mit dem Subtext „Wenn du hier den Mund aufmachst, droht dir ein Jahr Gefängnis“ an.
    Kein Wunder, dass die Zeugen als „schlechtestes aller Beweismittel“ gelten. Wenn sie dann noch 1,2 Stunden vor dem Gerichtssaal auf ihren 5-minütigen Auftritt gewartet haben, ohne Mut für den kurzen Toilettengang, ohne Getränke und ohne Nachricht, wann es los geht, na PROST. Das wird nix. 😉
    LG, Ihre Johanna Busmann

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